Diesmal sind wir bereits zu früher Stunde digital in Ägypten, genauer gesagt: in Kairo. Dort arbeitet unsere Gesprächspartnerin Nina Amin als Korrespondentin für die ARD und nutzt jede freie Minuten, um schwimmen zu gehen. Allerdings - ganz so einfach ist das nicht im Land der Pharaonen: Öffentliche Schwimmbäder gibt es hier nicht, wer in einem Pool seine Bahnen ziehen will, muss einen Club besuchen - Nina hat das Glück, einer ist direkt bei ihr um die Ecke.
Zweimal in der Woche gibt es dort ein reines Frauenschwimmen, dann sind auch nur noch Bademeisterinnen vor Ort. Das sei immer eine richtig große Party, erzählt Nina. Dabei geht es dann weniger ums Bahnen ziehen, sondern ums hin und her schwimmen und sich dabei in aller Ruhe zu unterhalten und Spaß zu haben.
Für die meisten Ägypter sind solche Clubs viel zu teuer. Auf dem Land gibt es oft noch nicht einmal das. Schwimmen ist kein Unterrichtsfach in der Schule, dabei liegt Ägypten im Norden direkt am Mittelmeer und im Osten am Roten Meer. Der Nil, der sich quer durch das ganze Land zieht, wird zwar oft zum Abkühlen genutzt. Hier kommt es allerdings immer wieder zu Todesfällen durch Ertrinken, weil jemand in die Strömung gerät und dann einfach untergeht, viele Ägypter behalten beim Bad im Fluss zudem ihre Kleidung an.
Wer es sich leisten kann, bezahlt privaten Schwimmunterricht für seine Kinder, aber sehr viele Ägypter:innen können gar nicht schwimmen. Wasser ist in dem Land ein sehr kostbares Gut. Darin zu schwimmen, in Bädern seine Freizeit zu verbringen, wie es für viele Heranwachsende in Deutschland einfach selbstverständlich dazu gehört - das gibt es hier nicht.
Badekleidungsvorschriften gibt es in den Clubs in der Regel nicht, hier sieht man Bikinis neben Burkinis bunt gemischt, erzählt Nina. So wenig wie in Clubs Fahren die meisten Ägypter:innen aber auch nicht an Meer, zum Strand. Dort gibt es meist abgegrenzte Resorts, zu vielen Strandabschnitten hat man gar keinen Zutritt. An manchen Stränden gibt es eigene Bereiche nur für Frauen. Für alle gilt immer und überall: Oben ohne geht gar nicht! Man muss nicht im Burkini ins Wasser gehen, aber schon ausreichend bedeckt sein.
An der ägyptischen Mittelmeerküste gibt es sehr starke Strömungen - immer wieder gehen Menschen dort trotz roter Flagge ins Mehr, erst im letzten Jahr gab es einen spektakulären Fall, wo an der Küste acht Menschen ertrunken sind.
Am Roten Meer gibt es andere Probleme. Es ist eins der schönsten Meere, die Nina kennt, erzählt sie, mit einem faszinierenden Fisch- und Korallenwelt, nach wie vor. Hier ist der Tauchtourismus noch immer stark ausgeprägt, Ägypten setzt aber vermehrt auf Korallenschutz. Nachts im Roten Meer schwimmen darf man ohnehin nicht. Nachtaktive Raubtiere wie Haie, Muränen und Steinfische beginnen dann ihre Jagd, während Strömungen und Riffkanten nicht mehr gut zu erkennen sind
Weltklasse-Schwimmer:innen aus Ägypten gibt es durchaus - wie Farida Osman, die 2017 als erste ägyptische Schwimmerin eine Medaille bei einer Weltmeisterschaft gewann. In der Regel kommen sie jedoch aus eher privilegierten Elternhäusern. Auch in Ninas Club gibt es eine Trainingsgruppe, lauter Frauen, „und alle wahnsinnig gut und schnell!“ Drei- bis viermal pro Woche werde dort trainiert, wenn sich ein Talent herauskristalliere, dann werde das vom Staat auch gefördert. Schließlich gebe es im Land auch Begeisterung für Schwimmwettkämpfe bei Olympia, erzählt Nina. Aber andere Sportarten wie Fußball stehen dann doch weit mehr im Fokus.